Feb 052012
 

Im Jahr 2005 habe ich mit Björn Dieding von xrow bei meinem damaligen Arbeitgeber Mobotix das Web-CMS ez publish eingeführt, das als eine der umfangreichsten PHP-Anwendungen gilt. Für eine PHP-Anwendung war es damals schon recht schlüssig konzipiert und vor allem sehr Feature-reich. Und es kamen ständig neue Features hinzu, viele davon open source. Herr Dieding erklärte mir, dass das in Norwegen so üblich sei: Sowohl öffentliche als auch private Auftraggeber benötigen ein Feature, z.B. eine Kalenderkomponente oder ein Shopsystem, und lassen es bei ez.no entwickeln (also zahlen dafür). Dann erlauben sie ez.no, es der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Würden deutsche Kunden (und hier habe ich vor allem meine momentanen Kunden, die Verlage, im Blick) ähnliches tun? Wahrscheinlich nicht. Zum einen sitzen die Petro-Kronen hier nicht so locker wie in Norwegen. Aber ich glaube, der allgemeine Wohlstand ist nicht der Hauptgrund für den vermeintlichen Altruismus der Norweger. Vielmehr ist es die nüchterne Betrachtung, sowohl auf Kunden- als auch auf Softwareanbieter-Seite, dass ein nichtexklusiv weiterentwickeltes Produkt deutlich stabiler und umfangreicher wird, als man es für das gleiche Geld exklusiv erhalten würde.

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Jan 042011
 

Dies ist ein Platzhalter für den englischsprachigen Beitrag EPUB3: “Blessed Vocabularies” for Interactive Publications”.

Der gegenwärtige EPUB3-Entwurf sieht im Prinzip zwei Realisierungsmöglichkeiten für Interaktivität vor: normales Scripting in HTML-Seiten oder eine Variante, in der man in rechteckigen Bereichen (à la Video-Einblendung) beliebige Daten von einem Script interaktiv darstellen lassen kann. In dem Beitrag argumentiere ich, dass die Einschränkung auf rechteckige Bereiche und das Fehlen eines kanonischen Markups für gängige Anwendungsfälle (z.B. Multiple-Choice-Test) dazu führen wird, dass die EPUB-Ersteller auf das flexiblere normale Scripting ausweichen werden.

Ein Buchinhalt, der fast nur aus Script besteht, ist aber für Sehbehinderte i.d.R. schwer zu lesen, und er ist auch teuer in der Herstellung.

Eine Neuerung in EPUB3 ist RDFa, also semantische Information in HTML-Attributen. Solche Attribute könnte man verwenden, um die Fragen und die richtigen Antworten des Multiple-Choice-Tests auszuzeichnen. Ein Script könnte dieses semantische Markup leicht auswerten und den Inhalt in eine interaktive Frage-Antwort-Anwendung verwandeln. Die Vorteile wären: der Inhalt stellt sich auch ohne Script wie normaler statischer eBook-Inhalt dar, und der Inhalt lässt sich wesentlich kostengünstiger erstellen.

Der zweite Teil des Vorschlags lautet: das IDPF soll Standard-RDFa-Vokabulare wie z.B. solche für Multiple-Choice-Tests „segnen“ und dafür sorgen, dass freie Standard-Implementierungen existieren, die die Reader-Hersteller verwenden können. Dann ist sichergestellt, dass Standard-Inhaltsarten als rein deklaratives Markup kostengünstig und barrierefrei angelegt werden können und von der Masse der Reader in sinnvoller Weise dargestellt werden.

Nov 202010
 

Angenommen, Sie haben XML-Daten in ein InDesign-Dokument importiert. Angenommen, das Layout soll den Sinn des Taggings transportieren: Stichwörter kursiv, Eigennamen in Kapitälchen, Zitate eingerückt etc.

Es gibt mehrere Methoden, um das Markup (XML) in Layout umzuwandeln (oder „abzubilden“). Dabei ist es wichtig zu wissen: egal wie Sie es abgebildet haben, sobald die Abbildung erfolgt ist, können sich Layout und zugrundeliegendes Markup völlig unabhängig voneinander entwickeln. Und das ist gefährlich, denn für gebräuchliche XML-Dokumente und bei gebräuchlichen Satzprozessen stellt diese Abbildung eine Einbahnstraße dar, von Markup zu Layout, aber nicht zurück. Wenn Sie sich darauf verlassen, dass nach der Ausführung von Autorkorrekturen alles das, was aussieht wie ein Stichwort, auch ein Stichwort im nachher exportierten XML ist, könnten Sie sich in trügerischer Sicherheit wiegen. Oder die beiden Absätze, die Sie in InDesign sehen, sind in der XML-Struktur nur ein einziger, weil dieser nach dem Import lediglich visuell unterteilt wurde und weil das Markup von dieser Änderung nichts mitbekam. Continue reading »